Am Wochenende im Bauerngerätemuseum Hundszell
Bereits im neunten Jahr lädt das Hundszeller Bauerngerätemuseum am 16. und 17. Juni seine Gäste zu seinem „Markt der Handwerkskunst“. Dieser Markt mit dem besonderen Flair, mit seiner fast intimen Atmosphäre in Hof, Garten und Ausstellungsgebäuden des früheren Bauernhofes, hat mittlerweile seinen festen Platz im Ingolstädter Veranstaltungskalender. Die sorgfältige Auswahl der Anbieter garantiert wie immer eine außergewöhnliche Vielfalt und Zusammensetzung.
Was man in Hundszell nicht findet, ist Handelsware von der Stange. Vielmehr begegnet man hier ehrlicher Handwerkskunst, bodenständig und verspielt, traditionell und zeitgenössisch, modern und zeitlos. Bei einem un-schlagbar günstigen Eintritt von zwei Euro (bis 16 Jahre ist der Eintritt ganz frei) eröffnet sich die Gelegenheit, manch selten gewordenes Handwerk ganz unmittelbar kennen zu lernen. Wo sonst hat man die Chance, sich aus erster Hand über Materialien und Arbeitsweisen zu informieren – und vielen der Meister(innen) bei der Arbeit über die Schulter zu schauen?
Rund drei Duzend (Kunst)Handwerker demonstrieren an diesem Wochenende in Hundszell ihre Meisterschaft. Sie arbeiten in Metall, (Edel)Stein, Holz, Keramik, Glas und Textilien. Sie schneidern Trachten, sieden Seife, vergolden Bilderrahmen oder treiben Kupferplatten zu Wetterfahnen. Zu den „Urgesteinen“ des Marktes zählen etwa der Schmied Anton Roith, der heuer die komplette Herstellung eines historischen Türschlosses demonstriert, oder der Scherenschleifer Klaus Langenfeld, auf dessen sichere Hand am fußgetriebenen Schleifstein die Kenner schwören. (Deshalb: stumpfe Messer und Scheren nicht vergessen!)
Neben Altbewährtem gibt es auf dem Markt aber auch alljährlich neue Gesichter zu sehen. So präsentiert heuer, gewissermaßen „außer Konkurrenz“, Juliane Schölß in einer kleinen, aber erlesenen Sonderschau eine Auswahl ihrer Silberschmiedearbeiten, vor allem Geschirr und Bestecke aus Silber und anderen edlen Metallen. Juliane Schölß, Spross der bekannten Ingolstädter Künstlerfamilie, wurde im Jahr 2005 mit dem Oberbayerischen Förderpreis für Schmuck und Gerät ausgezeichnet und studiert zur Zeit an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste.
Das ganze Markttreiben ist eingebunden in den „normalen“ Museumsbetrieb. Das heißt, es besteht selbstverständlich die Gelegenheit, die Ausstellungen des Hauses zu besichtigen, darunter die aktuelle Sonderschau „Feurio“ über Feuergefahr und Brandbekämpfung auf dem Lande. Für das leibliche Wohl ist ebenso gesorgt wie für die Unterhaltung der Kinder. Die dürfen abwechselnd bei verschiedenen Handwerkern selbst Hand anlegen und kleine Arbeiten ausprobieren.
Dazu kommt ein hoch attraktives Musikprogramm – für das allein man im Normalfall einen deutlich höheren Eintritt bezahlen müsste. Am Samstagnachmittag geben die jungen Ingolstädter „Streichhölzer“ ihre frische Streichmusik „von Augsburg bis Ungarn“ zum besten, unverbraucht, locker und virtuos. Ab 18 Uhr, sind härtere Töne angesagt, bei Blues, Rock und Groove von den „Rad Gumbo“. „Dackel“ Hirmer, Gerhard Spreng und Erwin Schmidl liefern ihre unter die Haut gehende Interpretation von legendären Stücken jener Musikrichtungen, spielen und singen aber auch eigene Kompositionen. Exzellente Instrumentenbeherrschung, Virtuosität und ungebändigte Spielfreude verspricht schließlich die Gruppe „Luz amoi“, die den Sonntag bestreitet (11 bis etwa 14.30 Uhr). Die fünf jungen Vollblutmusiker, allesamt Studierende oder Absolventen von Musikhochschulen, bestechen mit „bayerischer Weltmusik“, einer Melange aus Landler und Samba, Gstanzln und Jazz. Kein Wunder, dass die Gruppe längst vom Bayerischen Rundfunk entdeckt wurde.
Viele Gründe also, zum 9. Markt der Handwerkskunst nach Hundszell zu pilgern, in die Probststraße 13, wo mittlerweile ein geräumiger (kostenloser) Parkplatz zur Verfügung steht. Das Museum ist aber auch bequem mit den Bussen der INVG, Linien 10 und 40, erreichbar. Geöffnet ist der Markt am Samstag von 12 bis 21 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Als zusätzlichen Anreiz haben die Marktleute eine Reihe wertvoller Preise gestiftet, die an beiden Tagen unter den Besuchern ausgelost werden.